„Happy Birthday“ schmettere ich meinem Sohn an seinem 20. Geburtstag entgegen. Dieser antwortet sichtlich amüsiert: „Danke, aber Birthday? Echt jetzt?“
Meine 18jährige Tochter schaltet sich dazwischen: „Birthday Mama, Birthday!“ Die beiden beklagen nicht mein falsches Erinnerungsvermögen hinsichtlich des richtigen Datums – sie bemäkeln meine Aussprache.
Mein „Happy Birthday“ hat den Touch einer Schulenglisch-Ausbildung in den 80ern, hingegen frönt mein Sohn einer Englisch-Aussprache mit eindeutig britischem Einschlag und meine Tochter hat sich zurzeit ganz dem australischen Englisch verschrieben. Je nachdem, mit welchen englischsprachigen Gamingfreunden, Discordgesprächspartnern und sonstigen Freunden sie gerade die meiste Zeit verbringen.
Filme und Serien werden sowieso nur mehr auf Englisch geschaut und Bücher in der englischen Originalfassung gelesen – way cooler.
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Englisch ist längst Alltagssprache
Wenn sie nach einem bestimmten Ausdruck suchen, wissen sie ihn ganz sicher auf Englisch und fragen: „Wie heißt das auf Deutsch?“: Alltag in vielen Familien. Wichtig ist dabei: Hier geht es nicht darum, den vielen Beiträgen auf sozialen Medien folgen zu können. Zunächst sind die meisten Beiträge in einem schrecklich schlechten Englisch und dann lernen sie dabei eher höchst zweifelhafte Slang-Ausdrücke.
Vielmehr geht es um die Möglichkeit, Freundschaften über Landesgrenzen hinaus zu schließen. Es geht darum, keine Scheu davor zu haben, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, andere Kulturen kennenzulernen aber in stabilen, langjährigen Freundschaftsbeziehungen.
Eben weil sie kompetent sind und sich sicher in dieser Sprache fühlen. Das müssen nicht unbedingt Menschen aus englischsprachigen Ländern sein, meine Kinder sind mit Polen, Finnen, Schweden usw. befreundet. Auf den Spielservern finden sich Jugendliche aus allen Ländern ein und auch mit Spielpartnern aus Deutschland wird Englisch gesprochen, denn so verstehen sich alle.
Aber die Allgegenwärtigkeit von Englisch ist nicht nur in der Freizeit ein Thema, auch in Österreich gibt es bereits einige Fachhochschulrichtungen, bei denen die Ausbildung in Englisch erfolgt, wie zum Beispiel der Lehrgang International Business Consulting auf der FH Wiener Neustadt.
Wenn Englischlernen zur Herausforderung wird
Englisch ist auf dem Weg auch in Österreich eine Zweitsprache zu werden und bereits heute ein fixer Bestandteil des Alltagslebens.
Es wird Zeit dieser Sprache dieselbe Beachtung zu schenken wie unserer Muttersprache. Heute gibt es bereits ein gutes Bewusstsein über Lese-Rechtschreibschwäche, Legasthenie und Teilleistungsschwächen wie auditive Wahrnehmungsstörungen.
Weniger bekannt ist der Einfluss solcher Schwierigkeiten beim Erlernen von Englisch. Durch die oft wenig lautgetreue englische Schriftsprache zeigen sich Lernprobleme in diesem Bereich jedoch noch massiver. Zudem wird beim Erlernen der englischen Schriftsprache viel schneller vorangegangen, als es damals beim Schreibenlernen war.
Das hat zur Folge, dass die Ursache der Englischlernschwierigkeiten oft unerkannt bleiben. Den Kindern wird vermittelt, sie müssten nur mehr üben, die Vokabeln besser lernen. Übersehen wird dabei, dass diese Bemühungen erst dann Erfolge bringen können, wenn mit einem individuellen Englischlerntraining an der Ursache der Schwierigkeiten gearbeitet wird.

Englisch ist längst nicht mehr nur Schulfach, sondern Alltagssprache — deshalb müssen auch Schwierigkeiten beim Englischlernen ernster genommen werden.